18.12.2014

6500 Zeichen gegen Kinderarmut!

Teil 2 unseres Interviews mit dem Gründer des KINDERHAUSES "BLAUER ELEFANT©" in Bargteheide:

Herr Loeding, Ihr KINDERHAUS hat sich auf das Thema „Kinderarmut“ spezialisiert. Laut dem von Ihnen publizierten „Armutsatlas“ leben im Kreis Stormarn etwa 6.500 Kinder in Armut, das ist in etwa jedes 6. Kind. Wie versuchen Sie diesen alarmierenden Zahlen entgegenzuwirken?

Wir erleben in der Praxis sehr häufig, dass dauerhafte Armutssituationen in Familien dazu führen, dass diese ihren Alltag nicht mehr positiv gestalten können. Aus diesem Grund haben wir als Kinderschutzbund das Thema „Kinderarmut“ ganz besonders auf unsere Agenda genommen, um die Öffentlichkeit auf dieses strukturelle Problem aufmerksam zu machen. Fakt ist, dass der Landkreis Stormarn, in welchem jedes 6. Kind in Armut aufwächst noch zu den reichsten Regionen Deutschlands zählt. In Städten wie Lübeck oder Hamburg lebt bereits jedes 4. Kind in Armut. Es gibt also ein großes soziales Problem, welches gelöst werden muss. Deshalb haben wir den sogenannten Armutsatlas rausgebracht, der dieses Problem thematisiert und 2000 Exemplare davon an Politiker, Städte und Gemeinden versandt, um dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Darüber hinaus machen wir jedes Jahr am Weltkindertag eine sogenannte Fähnchen-Aktion. Für jedes arme Kind im Kreis Stormarn positionieren wir vor dem Ahrensburger Schloss ein blaues Fähnchen des Kinderschutzbundes. Das ergibt ein Meer von 6.500 Fähnchen und ein beeindruckendes Bild. Mit dieser Aktion wollen wir der Bevölkerung zeigen, dass diese 6.500 Kinder, die hier symbolisch als Fähnchen stehen, nicht mit der gesellschaftlichen Entwicklung mitkommen und dringend Hilfe benötigen.

Unter dem Motto „Starke Eltern – Starke Kinder“ bieten Sie auch ratsuchenden Eltern Unterstützung in Erziehungsfragen an. Werden diese Angebote wahrgenommen bzw. gestehen sich Eltern ein, dass sie mit der Erziehung ihrer Kinder nicht mehr zurechtkommen und Hilfe benötigen?

Es gibt nach wie vor die Hemmschwelle sich Hilfe zu holen und das ist wirklich sehr schade, denn wenn Hilfe frühzeitig beginnt, ist sie am effektivsten. Deswegen kann ich Eltern nur Mut machen sich Hilfe zu holen, denn es ist eine Stärke zu sagen: „Ich brauche Unterstützung, weil ich mit der aktuellen Situation alleine nicht mehr zu Recht komme.“ Denn eines muss man sich bewusst sein: Erziehung ist eine richtig anstrengende Sache. Es ist eine ganz tolle Sache, aber es ist auch harte Arbeit. Aus diesem Grund haben wir in unserer Einrichtung ein komplettes Spektrum an unterschiedlichen Hilfen und Zugängen für Familien geschaffen: Ein ganz wichtiger Punkt ist das kostenfreie Elterntelefon, bei welchem man anonym anrufen und sich mit erfahrenen Psychologen unterhalten kann. Auch unsere Kleiderkammer, wo man zu klein gewordene Kleidung hinbringen und sich neue holen kann, ist eine gute Möglichkeit Erstkontakt aufzunehmen. Und das benachbarte Elterncafé bietet Menschen eine gute Möglichkeit sich in einer entspannten Atmosphäre mit einem qualifizierten Ansprechpartner vor Ort zu unterhalten. Wir wollen Eltern wirklich ermutigen: „Holen Sie sich Unterstützung, so früh wie möglich!“

Mit knapp 20.000 Einwohnern ist Bargteheide eher beschaulich. Hat das den Vorteil, dass man die Kinder, Jugendlichen und Eltern besser kennt und man individueller auf sie eingehen kann oder haben die Menschen aufgrund dessen eher eine Hemmschwelle, sich mit ihren Problemen an Sie zu wenden?

Das ist eine ganz wichtige Frage, mit welcher wir immer wieder konfrontiert werden: „Wie gelingt es uns, Menschen aus schwierigen Lebenssituationen Zugang zu unseren Hilfen zu geben, ohne sie zu stigmatisieren?“ Und genau da spielt das Konzept des BLAUEN ELEFANTEN© eine ganz entscheidende Rolle. Wir versuchen permanent die Öffentlichkeit auf uns aufmerksam zu machen: Wir haben z.B. zwei Spielmobile, mit denen wir in Bargteheide sowie in den umliegenden Gemeinden Spielangebote für Kinder bereitstellen, wir machen Veranstaltungen zum Thema „Kinderrechte“ usw. Wir wollen, dass das Kinderhaus BLAUER ELEFANT© als etwas Positives wahrgenommen wird, denn das senkt die Hemmschwelle, zu uns zu kommen und sich die benötigte Unterstützung zu holen. In den vergangenen Jahren hat es eine sehr positive Entwicklung gegeben. Kinder spielen auf der Straße mit T-Shirts vom BLAUEN ELEFANTEN© ohne stigmatisiert zu werden. Die Menschen wissen, dass es nicht Jedem gut geht, aber anstatt mit den Fingern auf sie zu zeigen, findet eine Solidarisierung statt.

Welche dringend benötigten Anschaffungen im KINDERHAUS Bargteheide bereits durch das Spendengeld von TOTAL realisiert werden konnten, das erfährst Du morgen im dritten und letzten Teil unseres Interviews auf http://www.totaltankstelle.de/

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