19.12.2014

Große Herausforderungen beim Deutschen Kinderschutzbund Ortsverband Duisburg

Wir waren für Euch in Duisburg und haben mit der Vorsitzenden des Deutschen Kinderschutzbund OV Duisburg über Themen wie "Flüchtlingskinder" oder "sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen" gesprochen:

Hallo Frau Tobergte, Sie sind Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbund Ortsverbands in Duisburg . Welche speziellen Leistungen bieten Sie für Kinder und Jugendliche an?

Wir haben viele unterschiedliche Bereiche, die wir anbieten. Als ich vor über 10 Jahren ehrenamtlich begonnen habe mich für den Deutschen Kinderschutzbund zu engagieren, habe ich das Projekt „Sprachpaten“ ins Leben gerufen. In Minigruppen versuchen unser Sprachpaten Kindern, die kein oder wenig Deutsch sprechen, die Deutsche Sprache näherzubringen. Das Konzept basiert auf folgender Idee: Sprache soll durch Spielen und nicht über Arbeitsblätter erlernt werden. Das, was Kinder mit Spaß und Leidenschaft machen, machen sie mit voller Konzentration. Für dieses Projekt haben wir beim Wettbewerb „Bildung als Brücke zur Integration“ den ersten Preis gewonnen.

Darüber hinaus bieten wir das Projekt „WunschOmas und WunschOpas“ an. Hier engagieren sich ältere Menschen ehrenamtlich. Kinder, die keine Großeltern mehr haben oder deren Omas und Opas in anderen Ländern leben, haben so die Möglichkeit eine Beziehung zu älteren Menschen aufzubauen. Genauso wie man es mit den eigenen Enkelkindern macht, unternehmen WunschOmas und –Opas unterschiedliche Dinge mit den Kindern – natürlich immer in Absprache mit den Eltern. Es wird vorgelesen, gehäkelt oder zusammen gebacken. Durch unsere Projekte wollen wir einerseits die Kinder fördern, gleichzeitig wollen wir auch ein Stück Wärme, ein Stück Miteinander in die Gesellschaft tragen.

Ihr Haus hat auch eine eigene Fachberatungsstelle zum Thema „sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen“, bei der Sie sowohl Beratung als auch Therapien anbieten. Welche Erfahrungen haben Sie in den letzten Jahren mit diesem ernsten Thema gemacht?

Was mich persönlich am meisten beunruhigt, ist die Tatsache, dass obwohl das Thema „sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen“ seit einigen Jahren öffentlich thematisiert wird, die Zahl der Betroffenen nicht zurückgeht. Schon seit Jahren haben wir in unserem Haus relativ konstant pro Jahr hundert Kinder in Therapie, welche Opfer sexueller Übergriffe wurden. Wir könnten noch viel mehr Kinder hier betreuen, wenn wir einfach die finanziellen Ressourcen dazu hätten, aber wir können es uns schlichtweg nicht leisten.

In welchem Umfang versuchen Sie diesen betroffenen Kindern zu helfen?

Unser Haus fungiert sowohl als Beratungsstelle als auch als Therapiezentrum. Mithilfe unserer Therapeutin versuchen wir den Geschehnissen auf den Grund zu gehen und gleichzeitig einen Weg zu finden, bestmöglich an das jeweilige Kind ranzukommen – sei es anhand von spieltherapeutischen Maßnahmen oder über Zeichnungen. Man kann das nicht generalisieren. Jeder sexuelle Übergriff ist anders und jedes Kind geht auf seine eigene Weise damit um. Deshalb ist es auch schwer zu sagen, wie lange diese Kinder bei uns in Therapie sind. Es gibt Übergriffe, da kommen Kinder innerhalb von sechs Monaten darüber hinweg und es gibt Fälle, da dauert es Jahre.

Gibt es spezielle Aktionen und Maßnahmen, die sie durchführen, um die Öffentlichkeit für auf dieses sensible Thema aufmerksam zu machen?

Ich führe Vorträge in unterschiedlichen Einrichtungen und Institutionen durch, stelle die Fachberatungsstelle vor und referiere über das Thema „sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld Ihrer Einrichtung umfasst die Betreuung von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern als Flüchtlinge nach Deutschland kommen und wenig bis gar kein Deutsch sprechen. Durch welche Maßnahmen versuchen Sie diese Kinder in unsere Gesellschaft zu integrieren?

Es ist ein neues Arbeitsfeld, das wir zu erschließen versuchen. In Duisburg gibt es eine Sammelunterkunft für flüchtige Menschen in der Nähe jener Schule, mit welcher wir bereits seit Jahren kooperieren. Wir möchten diesen Kindern, die aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen werden, in ein fremdes Land kommen und nicht wissen, wie lange sie hier bleiben dürfen, so gut wie möglich helfen. Wir möchten ihnen helfen elementare Sprachkenntnisse, die Fähigkeit sich an Regeln zu halten und Rechenfähigkeiten zu vermitteln. Wir wollen den Kindern etwas für ihr Leben mitgeben, das ihnen in weiterer Folge hilft, vielleicht auch woanders, denn keiner weiß, wo sie schließlich ihr Leben verbringen werden.

Stichwort DAZ-Klassen: Was kann man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Eine DAZ-Klasse ist eine „Deutsch als Zweitsprache-Klasse“. Momentan sind in der Klasse, welche wir betreuen, 23 Kinder aus 19 verschiedenen Nationen. Alles Kinder mit rudimentären Sprachkenntnissen, sofern überhaupt welche vorhanden sind. Natürlich können diese Kinder nicht in normale Jahrgangsklassen eingestuft werden, da sie nicht hinreichend Deutsch sprechen. Ziel dieser DAZ-Klassen ist es nun, ihnen innerhalb von zwei Jahren genügend Sprachkenntnisse zu vermitteln, damit sie dann einer Jahrgangsklasse zugeordnet werden können. Eine große Herausforderung.

Welche Projekte, Maßnahmen oder Anschaffungen wollen Sie durch das Spendengeld von TOTAL in Zukunft realisieren?

Die Summe aus der Weihnachtsaktion würden wir vorrangig für das Flüchtlingskinder-Projekt verwenden. Gerne würden wir mit dem Spendengeld Studenten einstellen, die verschiedene Sprachen sprechen, damit wir einen schnelleren und besseren Zugang zu den Kindern bekommen und die Kinder sich öffnen. Das würde unsere Arbeit um ein Vielfaches erleichtern.

 

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